Chronik

Ein Davoser Bürgerhaus

Zeittafel der bisherigen Eigentümer & Besitzer

Statthalter Andreas Sprecher (1506-1586)

1527 – 1586

Erbengem. Sprecher (Ritter Florian Sprecher)

1586 -~1600

Seckelmeister Konrad Margadant

1600 – 1627

Oberst Jürg Jenatsch (1596-1639)

1627 – 1639

Witwe Anna Jenatsch, geb. Buol

16 39 – 1650

Bundslandammann Paul Jenatsch (1629-1676)

1650 – 1676

Witwe Jakobea Jenatsch, geb. v.Buol Strassberg

1676 -~17 00

 Landvogt Johann A. Jenatsch (1672-1728)

1700 – 1728

 Witwe Ursula Jenatsch, geb. v.Buol Strassberg

1728 -~1750

 Offizier (NL) Paul Jenatsch II. (1725-1791)

1750 – 1783

 Landammanni Anton H. Sprecher (1741-1827)

1783 – 1801

 *Paulus Stiffler (1761-1837)

1801 – 1837

 *Jakob Büsch(1779-1868) (1/2)

1837 – 1868

*Hans Peter Stiffler (1800-1841) ( 1/2)

1837 – 1841

 *Paul Büsch (geb. 1813) (1/4)

1841 – 1868

*Kaspar Büsch (1818-1875) (1/4)

1841 – 1868

*Oehi Chlaas Niklaus Büsch (1833-1901)

1868 – 1884

*Eeni Christian Branger (1856-1929)

1884 – 1929

*Tante Anni Branger (1888-1978) (1/2)

1929 – 1978

*Margreth Specker-B. (1891-1975) (1/2)

1891 – 1975

*Christian Georg Specker

seit 1979
   

*Seit Paulus Stiffler das untere Jenatschhaus im Jahre 1801 von Anton Herkules Sprecher unter Anrechnung dessen Spielschulden hatte günstig übernehmen können (ein familieninternes Gerücht ?), ist es immer unter direkt Verwandten weitergegeben worden.

 

 

 

(Aufnahme Haus Branger 1991)

Das Haus – das ehemalige Untere Jenatschhaus und jetzige Haus1. Branger – an der Promenade 130 in Davos-Dorf gelegen, wurde nach den Chroniken von Statthalter  Andreas Sprecher (1506-1586)  , dem Ahnherr des Sprecher Geschlechts, erbaut  [1]  .

 “Sein Sohn, der Ritter Florian  , wohnte an der Alberti, sein Vater baute aber auf der inneren Horlauben unter der Strasse zu einem ihm schon gehörenden Haus  [2] noch ein zweites Haus an. Später scheint die Familie Sprecher dieses letztere Haus an den Seckelmeister Margadant verkauft zu haben, denn 1627 kaufte es von diesem Oberst Jürg Jenatsch.”

 Fritz Schaffer erwähnt in seinem Beitrag zur Siedlungsgeschichte von Davos [3] ebenfalls Statthalter Andreas Sprecher als ersten Besitzer und möglichen Erbauer. Er stützt sich hierbei auf den Stammbaum Sprecher von Bernegg [4].

 Anfang des 17. Jahrhunderts war das Haus von der Familie Sprecher an den Seckelmeister Konrad Margadant   übergegangen, der es im Frühjahr 1627 an den damaligen Capitani Major Georgius Jenatsch (1596-1639)   verkaufte. Der Kaufpreis für das Haus und dazugehörige Güter betrug 4557 Gulden. Im Juli 1627 erschienen Jenatsch und Margadant vor Davoser Gericht, um eine wegen des Hauskaufs entstandene Streitigkeit zu begleichen.

 Jenatsch verlangte, dass Margadant das ihm verkaufte Haus endlich räume, währenddessen dieser vor der Uebergabe des Hauses eine Schuldverschreibung für den noch ausstehenden Kaufpreis haben wollte. Das Gericht entschied zu Gunsten Jenatsch,

 da der Kauf regelrecht abgeschlossen sei und Jenatsch zudem die Hälfte des Kaufpreises oder noch mehr bezahlt habe.

 Hingegen könne sich Margadant eine versiegelte Abschrift des Kaufvertrages ausstellen lassen [5]. Bei dem im Haus aufbewahrten, vom Juni 1628 datierten Marktbrief dürfte es sich um diese Urkunde handeln.

 (Bild 1,  Georg (Jürg) Jenatsch)

 Jürg Jenatsch war Anfang März 1627 nach Davos gekommen und weilte vorerst bei seinem Schwiegervater Paul Buol, Hauptmann und Bundslandammann, im “Schlössli” auf der Oberwies. Nachdem er das von Margadant gekaufte Haus beziehen konnte, pflegte er während seiner Aufenthalte in Davos in diesem Haus zu wohnen, und nicht etwa in der von ihm 1634 erbauten Villa Vecchia, dem Oberen Jenatschhaus [6].

Im angebauten Nachbarhaus, dem jetzigen Haus Fopp, wohnte damals sein Kampfgefährte Obristwachtmeister Andreas Sprecher, Major Enderli genannt. Anno 1636 vereinbarten Georg Jenatsch und sein Nachbar Andreas Sprecher zu ihren Häusern eine gemeinsame Wasserleitung zu erstellen. Das Original dieses Wasserbriefes, ausgestellt von Landammann Meinradt Buol und Landschreiber Jakob Valär, wird ebenfalls im Haus aufbewahrt.

(Bild 2, die Stammhäuser an den Horlauben)

 Major Enderli oder Andreas Sprecher war in zweiter Ehe mit Magdalena von Valär verheiratet, an die ein Wandschrank mit den Initialen “1629 MvV” erinnerte, der sich bis vor kurzem im Hause befand.

 Während seinen heimlichen Verhandlungen mit Oesterreich fand Georg Jenatsch nur wenig Zeit, sich seiner Familie in Davos zu widmen. Sommer, Herbst und Winter 1630/31 verbrachte er mit seiner Frau und den drei Kindern Ursina, Katharina und dem Stammhalter Paul auf dem Schlösschen Katzensteig in Bischofszell, das er gekauft hatte [7]. Zu Beginn des Jahres 1636 erwarb er in Chur vor dem Metzgertor ein Haus, in das seine Familie übersiedelte [8]. Nach seiner Ermordung am 24. Januar 1639 in Chur nahm seine Witwe, Anna Jenatsch geb. Buol   mit den Kindern wieder Wohnsitz in Davos. Haus und Hof blieben nun annähernd 150 Jahre im Besitz der Familie Jenatsch.

 Im Jahre 1650 bezog Paul Jenatsch (1629-1676)  , der älteste Sohn des Georg Jenatsch, mit seiner am 18. August 1650 angetrauten Ehefrau Elsbeth von Valär (1633-1668) das Haus. Eine im Hause verbliebene Truhe mit der Inschrift “Elsbet von Valery” sowie die in Holz geschnitzte Inschrift im Schlafzimmer “Junker Paul Jenatz Anno 1650 Frauw. Elsbeth v. Valari” geben davon Zeugnis. Die an der gleichen Stelle angebrachte Inschrift

  “OMNIA FUI ET NIL MIHI PRODEST SEVER”

 besagt auf deutsch: “Ich bin alles gewesen und nichts nützt es mir”. Der Spruch stammt vom römischen Dichter Cornelius Severus, der zur Zeit Kaiser Augustus lebte. Er erinnert wohl an die Schicksale von Julius Cäsar und Georg Jenatsch.

 Beide wurden auf der Höhe ihrer Macht durch eine Mörderhand daran gehindert, ihr letztes Ziel, bei jenem die Kaiserwürde, bei diesem die Freiheit Bündens und die Rückgewinnung des Veltlins, zu verwirklichen.

 Noch im gleichen Jahr erwarb Paul Jenatsch von seinem Paten Paul von Sprecher das Haus auf der Bünda, das heutige Heimatmuseum, das er 1653 umbaute und später bezog.

 Er bekleidete im Zehngerichtebund hohe Aemter [9]. Seine erste Gattin Elsbeth v. Valär stammte aus reichem Haus in Fideris. Sie starb im Alter von 35 Jahren auf dem väterlichen Schloss Grünenstein im Rheintal und wurde an der evangelischen Kirche in Balgach beigesetzt, wo heute noch ihr Grabmal steht [10]. In zweiter Ehe heiratete er im Jahre 1669 Jakobea v. Buol Strassberg  , durch deren Erbschaft er in den Besitz des “Schlössli” an der Oberwies in Davos-Platz kam, wohin er in der Folge übersiedelte.

 Paul Jenatsch gehörten also in Davos drei Häuser, die er alle zeitweilig bewohnte, das Untere Jenatschhaus (das heutige Haus Branger), das heutige Heimatmuseum auf der Bünda und das Schlössli an der Oberen Strasse Nr. 27 [11].

 Johann Anton Jenatsch (1672-1728)  ,  Sohn des Paul Jenatsch aus dessen zweiter Ehe mit Jakobea v. Buol Strassberg, geboren auf Schloss Grünenstein, erscheint als nächster Eigentümer des Unteren Jenatschhauses.

 Er wurde in späteren Jahren Hauptmann in spanischen Diensten, Landvogt von Maienfeld, Commissari zu Cläven und Bundslandammann des Zehngerichtenbundes (1723).

 Nach den Quellen wohnte er jedoch im Buol’schen Schlössli an der Oberwies, in dessen sog. Grafenstube die Wappen Jenatsch und Buol mit der Inschrift “Hans Antoni Jenatsch 1727 Urschla Prud. Buolin Strassberg” angebracht sind [12].

 Aus der Ehe mit Ursula v. Buol geb. v. Strassberg  entspross ein Paul Jenatsch (1725-1791)  . Dieser stand als Offizier in holländischen Diensten und war auch mit einer Holländerin verheiratet. Zwei seiner Töchter heirateten in den französischen und schottischen Adel ein, der Sohn Emanuel Rudolf wurde in den holländischen Adel aufgenommen. So hatte er offenbar zu der ihm in Erbschaft zugefallenen Liegenschaft keine nähere Beziehung und verkaufte sie am Vorabend der französischen Revolution, im Jahre 1783, an Anton Herkules Sprecher von Bernegg, einen Nachfahren des Erbauers Statthalter Andreas Sprecher [13].

 Wer das Haus nach dem Wegzug von Paul Jenatsch und seiner Gemahlin Elsbeth von Valär ins Bündahaus nach 1653 bewohnte, geht aus den Quellen nicht hervor. Möglicherweise waren es Angehörige der Familie Jenatsch, die bis zum 18. Jahrhundert das Haus bewohnten und die dazugehörenden Güter bewirtschafteten.

 Dafür spricht ein Prunkbett mit dem Jenatschwappen, das bis Ende des 19. Jahrhunderts im Hause stand und sich heute im Rhätischen Museum in Chur befindet. In der Familie wurde es Georg Jenatsch zugesprochen. Kunstsachverständige verweisen dieses mit bombastischem Dekor versehene, stellenweise vergoldete Paradebett auf Anfang des 18. Jahrhunderts [14].

( Bild 3, Prunkbett)

 Später mögen die Jenatsch-Erben den Hof in Zins gegeben haben, wie dies damals bei Edelleuten üblich war [15]. Einen Anhaltspunkt hierfür findet sich in einem im Hause aufbewahrten Gebetbuch aus dem Jahre 1789, das der in der löblichen Landschaft Davos auf den Horlaubenen wohnhaften Burga Felicitas Stiffler gewidmet ist, der Nichte des späteren Käufers Paulus Stiffler. Dagegen ergibt eine im Hause zurückgelassene Truhe mit der Inschrift “17 L B 35” keinen Aufschluss über die Bewohner des Hauses im 18. Jahrhundert.

 Der auf Paul Jenatsch folgende Eigentümer Anton Herkules Sprecher von Bernegg (1741-1827)  war Commissari der Grafschaft Cläven, Landammann von Davos, Bundslandammann und Präsident der provisorischen Landesregierung. Er besass Häuser und Güter in Grüsch, Parpan und Alvaneu sowie in Davos den Seehof, die Familienhäuser im Dörfli und an der Horlauben, die Berghäuser am Tschuggen und im Dürrboden, Alpen in Flüela, Dischma und Sertig, Güter im Tal nebst der Fischerei im See. So reich und mächtig er war, wurde er noch im hohen Alter durch den Zusammenbruch seines Vermögens heimgesucht [16].

 Mit Marktbrief vom 27. Februar 1801 verkaufte er die Liegenschaft an den Geschworenen Paulus Stiffler (1761-1837)  ,  einen Ahnen des heutigen Eigentümers. Damit ging das Davoser Bürgerhaus im Gefolge des Untergangs des Freistaates Bünden von den einflussreichen Geschlechtern der Sprecher und Jenatsch an die alten Davoser Walser Familie über, in deren Besitz es die nächsten 175 Jahre bleiben sollte.

 

(Bild 4, Anton Herkules)

 

Der Kaufvertrag umfasste folgende Effekten:

“Das Jenatschische Haus auf den Horlaubenen unter der Gasse, mit allem was darin nuot und nagelfest ist, nebst dem dazu gehörigen Höfli, Waschhaus, Hofstatt zu einem Holzhaus und Garten, der Hof ob der Gasse gelegen samt dem darin stehenden doppelten Stall und den zum Haus gehörigen 4 Kuhweyden auf Gemeiner Weyde im Dischma; ferner die untere Wald an den Wiesen im Dischma nebst Alp-Gemächer und zehn Kuhweyden auf gemeiner Weyd und vier Kuhweyden Sonderweyd”.

 Der Kaufpreis betrug 4000 Gulden, doch bemerkt Valär dazu, diese 4000 Gulden hätten aber lange nicht mehr einen so hohen Geldwert, wie die von Georg Jenatsch im Jahre 1628 bezahlten 4557 Gulden. Durch den Verlust des Veltlins, den Wegfall der Pensionen und hohen Einkünfte aus fremden Militärdiensten sowie dem Durchzug und Einquartierung fremder Armeen seien um die Jahrhundertwende viele Familien verarmt, was zu einer Werteinbusse geführt habe [17].

 Der Kaufpreis wurde erstlich durch die Uebergabe eines Bündelis unter der Gasse gelegen bezahlt, welches der Käufer mit 300 Gulden anschlug. Ferner schrieb er auf den Verkäufer 1300 Gulden selbst an, welche teils vom Käufer selbst, teils von seinem Vater, dem Geschworenen Hans Peter Stiffler sel., dem Verkäufer angelehnt worden waren. Die noch restlichen 2400 Gulden sollten in der Zeit von vier Jahren mit barem Geld ausbezahlt werden, und was nicht bis künftigem May ausbezahlt ist, soll zu 4% verzinst werden.

Der Käufer leistete am 27. Februar 1824 eine erste Teilzahlung von 1000 Gulden. Die Restzahlung von 1400 Gulden erfolgte am 16. Oktober 1829 an die Stadtrichterin Ursula Roffler geb. Rascher, welcher der ausstehende Kaufpreis bei der Austeilung der Konkursmasse der Fa. Sprecher u. Roffler zugesprochen worden war. Diesen Geldbetrag beschaffte sich der Käufer durch ein Darlehen von Jakob Perini, das dieser durch einen vom 30. August 1829 errichteten Unterpfandbrief sicherstellen liess.

Nach der mündlichen Ueberlieferung in der Familie soll Anton Herkules Sprecher Haus und Hof beim Würfelspiel an Paulus Stiffler verloren haben. Dass daran etwas Wahres sein könnte und es sich bei den am Kaufpreis anzurechnenden Darlehen um Spielschulden des Verkäufers handelte, ist auf Grund der Umstände, unter denen der Kaufvertrag abgewickelt wurde, nicht von der Hand zu weisen und daher als ziemlich wahrscheinlich zu betrachten.

Nach dem Hinschied von Paulus Stiffler im Jahre 1837 übernahmen dessen Schwiegersohn Jakob Büsch (1779-1868)  , der sich in zweiter Ehe mit Ursina Sidonia Stiffler (1791-1854) verheiratet hatte, und dessen Sohn Hans Peter Stiffler (1800-1841)  die Liegenschaft je zur Hälfte. Beide hatten bis dahin mit Ihren Familien Haus und Hof gemeinsam bewohnt und genutzt.

Im Winter 1841 kamen, wie die Davoser Lawinenchronik berichtet [18], der genannte Hans Peter Stiffler, dessen Neffe Abraham Büsch (geb. 1819), ein Sohn des Jakob Büsch, und Christian Christ (geb. 1798) als Ruttner in einer Lawine am Scaletta ums Leben. Die gemeinsame Abdankung für die drei Verunglückten fand nach dem Pfarreiregister am 5. Februar 1841 in der Hauptkirche St. Johann statt.

Den noch unmündigen Kindern des verstorbenen Hans Peter Stiffler wurde nun in der Person seines Vetters mit gleichem Namen, des Zupflegers Hans Peter Stiffler (1783-1865), ein Vogt bestellt. Dieser verkaufte am 12. Oktober 1841 deren hälftigen Anteil “an der Gelegenheit auf den sogenannten Horlaubenen” an die Gebrüder Paul Büsch (geb. 1813)  und  Kaspar Büsch (1818-1875)  oder namens derer ihrem Vater, Kirchenpfleger Jakob Büsch. Beide Söhne betrieben in Lille, Nordfrankreich, eine Conditorei und liessen sich wegen Landesabwesenheit durch ihren Vater vertreten. Sie waren offensichtlich geschäftlich erfolgreich, so dass sie in der Lage waren, den Kaufpreis von Gulden 1800 in zwei Raten zu bezahlen. Die vorgenannte halbe Gelegenheit bestand aus:

1. dem halben Wohnhaus am angegebenen Ort mit Anteil an zwei Krautgärten.

2. der Hälfte der zu dieser Gelegenheit gehörigen Guts und Bestallung.

3. einem halben Mad in Seewerberg, der Rong genannt.

4. einem Nut Wald zu hinterst im Seehorn.

5. einem dto. unter Drusetschen.

6. dem halben sog. Düchelwald auf dem Wolfgang.

7. ein und einer halben Kuhweid in Flüelaberg-Atzung.

 

 Nach dem Ableben von Jakob Büsch im Jahre 1868 übernahm dessen jüngster Sohn Nikolaus Büsch (1833-1901) , Oehi Chlaas genannt, das Heimwesen.

 Am 20. Juni 1869 verheiratete er sich mit Catharina Fopp (der Bäsi Nina); die Ehe blieb kinderlos.

 Jakob Büsch hatte aus einer ersten Ehe mit Magdalena Hitz vier und aus seiner zweiten Ehe mit Ursina Stiffler elf Kinder, an die noch einige im Haus befindliche Gegenstände erinnern. So zeigte der älteste Sohn aus erster Ehe, Hans (geb. 1809) am 15. Februar 1843 in einer Vermählungsanzeige aus Memel seine vollzogene eheliche Verbindung mit Florentine verw. Candrian geb. Freymann an.

 

( Urgrossvater Jakob Büsch, Davos)

  

Vom Sohn Paul liegen drei Kaufverträge über Grundstücke vor; u.a. erwarb er 1861 auf einer öffentlichen Gant aus dem Nachlass des Tobias Branger, des Conditors und Kaffeehausbesitzers aus St. Petersburg, die Strelaalp, von welcher nach der Ueberlieferung der heute noch benutzte Auszugstisch aus Arvenholz stammen soll.

 Von seiner ältesten Schwester Ursula (1815-1858) stammt eine mit den in der Bauernmalerei verwendeten Ornamenten des Lorbeerkranzes, einer sechszackigen Sternfigur und den Blumenfiguren Tulpe, Rose und Nelke verzierten Truhe mit der Inschrift “Ursula Büsch 1832”. Sie verheiratete sich spät mit Jakob Sturzenegger und hatte einen Sohn Jakob, der 1870 im 17. Altersjahr starb.

 Von ihrem Bruder Caspar (1818-1875) besitzen wir die Leichenpredigt, aus der zu entnehmen ist, dass er mit seinen Brüdern Paul, Jakob (geb. 1816) und Hans Peter (geb. 1823) in Lille eine Conditorei betrieb, zur Sommerzeit öfters seine Verwandten in Davos aufsuchte und bei einem solchen Besuch einen Herzschlag erlitt. In den alten Gebet- und Andachtsbücher, die im Hause verwahrt werden, finden sich oft Widmungen an die Kinder des Jakob Büsch.

 Am 1. Mai 1884 verkaufte Nikolaus Büsch (1833-1901) sein elterliches Heimwesen an seinen Neffen Christian Branger (1856-1929), Sohn des Tobias Branger (1819-1883) und der Elsbeth geb. Büsch (1822-1906). Nebst dem Wohnhaus auf den Horlauben und den dazu gehörenden Gärten und Hofraum und dem sog. Hof mit 4einhalb Kuhland, Wiesen und den Stallungen umfasste der Kauf zwei Maaden im Seewerberg (gen. Rong und Tommeli Hitz), eine Maad im Flüela Berg, Kuhweiden im Flüelaberg und je ein Loos Wald auf dem Wolfgang, auf Drusatscha und im Seehorn. Der Kaufpreis betrug Fr. 20’000.– mit ausbedungenem Wohnungs- und Beholzungsrecht für den Käufer und seine Frau. Das von seinen Eltern ererbte Heimwesen auf der Matta verkaufte er an Andreas Valär, einen Vettern zweiten Grades.

   (Eeni Christian Branger, Davos)

  

Christian Branger war mit Elsbeth Alder (1856-1939) verheiratet. Seine Frau war gebürtig von Urnäsch, aufgewachsen war sie in Parpan. Der Ehe entsprossen sieben Kinder, von denen drei die Eltern überlebten. Im Jahre 1910 verkaufte er sein Wiesland oberhalb der Landstrasse als Bauland und gab die Landwirtschaft auf. Er übersiedelte nach Chur, vorerst in die Villa Paris an der Lürlibadstrasse und im Jahre 1920 in ein Mehrfamilienhaus an der Sonnenbergstrasse. In Chur besuchten seine jüngsten Kinder die Mittelschule.

 (Aufnahme Haus Branger vor 1915)

  

Die Räume im Erdgeschoss und im 1. Stock des Davoser Hauses behielt er für sich, die Wohnung im zweiten Stock vermietete er ab 1897 für rund 30 Jahre an Prof. v. Rhoden, einen Altphilologen, der am Fridericianum unterrichtete.

 Als Erben des unteren Jenatschhauses, des Haus Branger, wie es nun hiess, setzte Christian Branger seine noch lebenden Töchter Anna Branger (1888-1978) und Margreth Specker-Branger (1891-1975)  ein. Die noch in seinem Besitz verbliebenen Güter, das alte Häuschen auf dem Sand samt Gut und Stall, die Mad Rong, Mad Patsch, Mad Tommeli Hitz, der Krummwegwald Drusatscha, Kessler Wald Wolfgang 1/2 Los, Wald ob Basler Sanatorium, Wald im Flüelatal – vermachte er in seinem Testament dem einzigen Sohn Tobias Branger (1896-1976).

 

(Ansicht Haus Branger  vor 1932)

 

 Am 1. Januar 1979 übernahm Christian Georg Specker (geb. 1922) , ein Enkel von Christian Branger, das Haus.

 Das Untere Jenatschhaus – heute noch ein steinerner Zeuge vergangener Zeiten – war ursprünglich zweigeschossig. Eine naturgetreue Darstellung findet sich im “Stammbaum des bündnerischen adeligen Geschlechts von Jenaz in Davos” von A.H. Sprecher von Bernegg, Chur 1851 [19]. Der Grundriss des Hauses entspricht dem “gedrehten Engadiner Schema” [20]; d.h. er weist einen Mittelgang auf, wobei der Wohntrakt links von der Mitte schmäler ist als der zur rechten Hand [21]. Verdreht ist das Schema, weil der Gang aus topographischen Gründen (das Haus steht an einem relativ steilen Hang) quer zur Firstrichtung verläuft [22]. Links vom Mittelgang, im Engadin “Sulèr” genannt, befindet sich die um drei Tritte erhöhte sog. Oberstube, deren Decke und Wände getäfelt sind, und eine “Saletta”, der sog. Saal, mit Kamin und dem heute noch erhaltenen reich geschmückten Gewölbe.

 Rechts vom Mittelgang war die getäferte Wohnstube, die mit einer Durchreiche mit der grossen Küche verbunden war. Von dieser Wohnstube mit Kachelofen, führte eine hölzerne Treppe hinauf zu den Schlafräumen im 1. Stock. Zwischen Stube und Schlaftrakt befand sich ein ca. 80 cm hoher Zwischenraum, die sog. Flööka, die in Kriegszeiten als Zufluchtsort gedient haben soll. Stall und Scheune waren in einem separaten Gebäude jenseits der Strasse, im heute umgebauten Haus Bedera, untergebracht.

 Nach der Uebernahme des Hauses baute Christian Branger auf die vorhandenen zwei Stockwerke zwei weitere Geschosse nebst Windboden auf. Davos stand damals am Anfang eines Baubooms; Davos die “Sonnenstadt im Hochgebirge”, wurde zum internationalen Kurort.

 1915 wurde dem Haus ein “Besenwurf” gegeben; vorher war weisse Kalkfarbe am Haus. Die Aussenwände wurden mit Sgraffiti-Ornamenten verziert, die Terrasse über dem Hauseingang vergrössert und die Fensterläden in den oberen Geschossen entfernt. In den Jahren 1932 und 1987-90 wurde das Haus aussen und innen renoviert.

 

(Aufnahme Haus Branger ca. 1950)

 

Das obere Jenatschhaus, die heutige Villa Vecchia, wurde 1634 von Georg Jenatsch von Grund auf erbaut. Es wurde in der Folge von seinem jüngeren Sohn Georg (1637-1672) und von seinen Enkeln Conrad Margadant (geb. 1689) und Andreas Jenatsch (geb. 1700) bewohnt. Vom letzteren ging es 1731 an dessen Schwiegersohn Balthasar Sprecher über.

Neben den Jenatschhäusern gehört das Haus Fopp, Promenade 130A, zu den ältesten Häusern auf der inneren Horlauben. Das Haus wurde ca. 1440 von Landammann Marti Nigg erbaut, ging zunächst an den Bannerherrn Christian Margadant und von diesem an Statthalter Andreas Sprecher (1506-1586), der es erneuerte. Anfang des 17. Jahrhunderts war es im Besitze von Andreas Sprecher, Major Aenderli genannt (1592-1667), eines Urenkels von Statthalter Andreas Sprecher. Anno 1767 verkaufte es Andreas (Enderli) Branger (geb. 1731) an Mstro. Salamon Tass Hs., genannt Peter Foppen Hs. Seither befindet es sich im Besitze der Familie Fopp [23].

Das untere Jenatschhaus und heutige Haus Branger trotzte nun während mehr als vier Jahrhunderten den Stürmen der Zeit. Möge es nach den Bündner Adelgeschlechter Sprecher und Jenatsch und den alteingesessenen Walserfamilie der Stiffler, Büsch und Branger auch deren Nachkommen ein Hort der Geborgenheit für viele Dezennien sein!

 

Christian Georg Specker

 

1.5.93/CGS/Thomas Benedikt Specker  

 

[1]Michaél Valér, sechs Jahrhunderte Davoser Geschichte, S.60; Jules Ferdmann, Jenatsch-Häuser in Davos, Davoser Revue 1953, S.138ff.

[2]das jetzige Haus Fopp, Promenade 130A

[3]Davoser Revue 1983, S.222

[4]Textband, S.22f. Anm 76

[5]Davoser Urteilbuch 1627-1641, zitiert bei Geor Haffter, Georg Jenatsch, 1894, S.488

[6]Valär, a.a.O., S.60

[7]und

[8]Alexander Pfister, Georg Jenatsch, Basel 1951, S.211 u. 377

[9]Nach dem Stammbaum von Georg Jenatsch war er viermal Bundslandammann, Oberstleutnant, Podestà zu Trahona (Veltlin) und Gesandter beim König von Spanien

[10]Chronik u. Stammbaum der Fanilien Valär, S.55

[11]vgl. den Briefwechsel zwischen J. Ferdmann und Anton v. Sprecher, Maienfeld, v. 26. Juli 1954

[12]Poeschel, Kunstdenkmäler Graubündens, Bd. II, S.167f

[13]Im Kaufvertrag vom 27. Febr. 1801 wird auf die Rechte des früheren Eigentümers Major Paulus Jenatsch verwiesen

[14]vgl. Text u. Abbildung im Buch “Rhätisches Museum” in Chur, S.320; Poeschel, Kunstdenkmäler Graubündens, Bd. II, S.167; ein gleichartiges Prunkbett mit dem Wappen der Jenatsch, das aus dem Schlössli stammt, befindet sich im Heimatmuseum Davos

[15]J.A.v. Sprecher, Kulturgeschichte, S.71

[16]Stammbaum Sprecher von Bernegg, Textband, S.200f

[17]Sprecher, Kulturgeschichte der drei Bünde im 18. Jahrh. Neuauflage Chur 1976, S.227

[18]Andreas Laely, Davoser Heimatkunde, S.174

[19]reproduziert in Ferdmann, Jenatsch-Häuser, Davoser-Revue 1953, S.139, u. INSA Davos, S.360

[20]Poeschel Kunstdenkmäler Graubündens, Bd. 2, S.167

[21]J. Hunziker, Das Schweizer Haus, Bd. 3, zit. nach INSA Davos, S.362

[22]Simonett, Bauernhäuser Kt. Graubünden, Bd. 1, S.190

[23]gemäss Karteikarte der Dokumentationsbibliothek Davos: laut Stammbaum Branger war Enderli Branger (geb. 1731 verh. mit Ursula Fopp, ein Bruder von Hans Branger (geb. 1725) verh. mit Maria Mettier, der seinerseits ein direkter Vorfahre von Christian Branger-Alder war.